Berlin

Ostkreuzschule für Fotografie

Dr. Enno Kaufhold, Fotohistoriker, Dozent an der Ostkreuzschule für Fotografie

Dr. Enno Kaufhold, Fotohistoriker, Dozent an der Ostkreuzschule für Fotografie

Heute ging mein erstes Semester an der Ostkreuzschule für Fotografie, hier in Berlin, zu Ende. Seit März mache ich laufend neue Erfahrungen und sammle dank der Kreativhauptstadt und der Fotografie eine Vielzahl von verschiedenen Eindrücken. Schon nach dem ersten Semester kann ich sagen, dass sich die Ausbildung in der Schule weit über das Medium Fotografie erstreckt. Ich bin sehr gespannt, was noch alles auf mich zukommen wird. In Unterrichtsfächern wie „Gestaltung“, „Technik“, „Labor“, „Digital“, „Fotografie“ und „Fotogeschichte“ habe ich vieles gehört und gezeigt bekommen, was mir neu war. Was ich schon kannte, habe ich nun endlich besser verstanden. 

Der Umgebungswechsel, die neue Schule und die Stadt Berlin mit zahlreichen neuen Bekanntschaften und Eindrücken von verschiedenen Fotofestivals, die ich besucht habe, waren die großen Themen der vergangenen Monate. 

Ei

Ei

Am Tag null der Fotogeschichte anzufangen – bei Licht und Schatten, in analoger Form –, das war das Motto des ersten Semesters. Einen Schritt zurückzutreten, sich vor jedem Abdruck des Augenblicks bewusst zu werden. Selbst zu entwickeln und in der Dunkelkammer zu vergrößern, bis spät in die Nacht. Durch diesen zeitintensiven Prozess und den Mehraufwand – verglichen mit dem digitalen Arbeiten – überlegt man sich lieber einmal öfter, ob schon der Augenblick gekommen ist, um abzudrücken.

Dieser entschleunigte, bewusste Schritt zurück war mit Sicherheit einer der wichtigsten für mein zukünftiges Schaffen. Die Erzählung aus einem Bild herauszunehmen, zu erweitern und über eine Serie von Bildern zu strecken. Nicht nur ästhetisches Fotografieren, sondern auch inhaltliches – und mit Gefühl. Eines habe ich unbedingt gelernt: dass gute Bilder weit mehr zu erzählen haben, als man auf den ersten Blick erkennt. Man muss sie nur im richtigen Kontext lesen können und ihren Inhalt kritisch hinterfragen – das ist eine neue Sprache, die man lernen muss.

So habe ich im ersten Semester also statt mit Pixeln mit Korn gearbeitet, und im Laufe der vergangenen Monate entstanden zahlreiche neue Arbeiten, die wir ausschließlich analog und in Schwarz/Weiß erarbeiten sollten. So gab es kleine Fingerübungen, beispielsweise ein berühmtes Foto nachfotografieren, ein Stillleben in verschiedenen Lichtsituationen ablichten und ein Foto von einem Ei machen.

Stillleben I

Stillleben I

Stillleben II

Stillleben II

Stillleben III

Stillleben III

Stillleben IV

Stillleben IV